Webseite des PESTER LLOYD im Juli 2005

Mein Freund ist kein "Gringo" (Der Oberwarter Arzt Ludwig Popper auf den Spuren seines Vaters)Von Peter Stiegnitz

 

Nein, mein Freund Ludwig ‚Lutz’ Popper, genau genommen Hofrat Primarius Dr. Lutz Popper, ist kein burgenländischer "Gringo" (‚Greenhorn’), sondern ein Mann der klaren Sprache und der eindeutigen Stellung­nahme gegen Hass, Rassismus und Antisemitismus. Dieser Grundstimmung des Jahres 1938, als Ludwigs gleichnamiger Vater mit seiner Familie Österreich fluchtartig verlassen musste und in Südamerika, in Bolivien, Zuflucht fand. Sohn Ludwig erzählt seiner Familie, vor allem seinen Enkelkindern, jetzt in "Bolivien für Gringos", wie das "Exiltagebuch eines Wiener Arztes" (edition lex liszt 12, Oberwart) heißt, die Geschichte der Flucht und des Überlebens in der Fremde.

 

Lutz Popper jun., der seinen Weg zum jüdischen Glauben (wieder) fand und sich jetzt – völlig zu Recht – Lutz Elija Popper nennt, beschreibt in einer für nicht­jüdische Leser durchaus notwendigen umfassenden Einleitung die Ära der Wiener Juden, in der seine Familie (jiddisch "Mischpoche" genannt) eingebettet lebte, sowie auch die bange Zeit der Verzweiflung und eine minutiösgenaue Chronologie der Vertreibung. Im nächsten Teil ("Unsere neue Welt") erleben wir die eingehend und hochinteressant geschilderte Welt Bo­liviens.

 

Den größten Teil des Buches nimmt wie angekün­digt das Tagebuch Dr. Ludwig Poppers (sen.) in Anspruch: "Bolivien - unsere Rettung". Der einstige Internist im ‚Wiener Allgemeinen Krankenhaus’, dessen Habilitation 1938 wegen seiner "nicht-arischen Abstammung" abgelehnt wurde, arbeitete acht Jahre als Arzt im bolivischen Militärsanitätsdienst.

 

Bolivien war zwar die Rettung für die Familie – und das wird vom Vater wie vom Sohn mehrmals dankend betont. Doch bot das so ganz andere Land einem Wiener Arzt und seiner Familie keine wirkliche kultu­relle Heimat. So kamen sie 1947 nach Wien zurück, wo er endlich, seinem Fleiß und seinen Fähigkeiten entsprechend, als Sozialmediziner arbeiten und als Universitätsprofessor lehren konnte. Eine späte, doch gerechte Anerkennung seiner Leistung.

 

Der Sohn, Ludwig Elija, einer meiner besten Freun­de, nutzt seine Zeit als Pensionist gut und arbeitet die umfangreichen biografischen Notizen seines Vaters auf und sorgt für ihre Herausgabe.

 

Unser gemeinsamer Freund, der ehemalige Bundes­kanzler Fred Sinowatz, bringt in seinem Vorwort den Sinn dieses Buches auf den richtigen Punkt. "Gerade weil das Buch einen zeitlich begrenzten Lebens­abschnitt und ein einziges Thema, die Emigration, behandelt, ist sein Inhalt so beeindruckend. Realismus und Gefühl stehen nebeneinander,"

 

Mein Freund Lutz (Elija) Popper widmet, wie schon erwähnt, das Buch seinen Enkeln: "Mögen sie die Geschichte ihrer Familie in sich aufnehmen und weitergeben als Mahnung, ähnliches nie wieder zu­zulassen." Das einzige, was wir, seine Freunde und Familie, seine Schwestern und Brüder, gerne zulassen, ist der nächste, von Lutz bereits in Aussicht gestellte Band seiner Erinnerungen.

 

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